Den Liebeskummer von der Seele reden – Warum ist darüber reden so wichtig?

Plötzlich stehst du vor dem Ende deiner Beziehung. Die Gefühle fahren Achterbahn und bringen dich aus dem Gleichgewicht. Der tief sitzende Schmerz soll einfach verschwinden, aber er hält sich hartnäckig und macht dir das Leben schwer. Was dir in dieser Situation helfen kann, ist darüber zu reden. Für einige mag das gar kein Problem sein, ist die beste Freundin doch meist sofort zur Stelle, aber für andere kann das zu einer unlösbaren Aufgabe werden. Die Überwindung sich zu öffnen ist nicht immer so leicht. Warum darüber reden so wertvoll ist, erfährst du in diesem Artikel.

Warum reden hilft

Über die Trennung und die damit einhergehenden Emotionen zu sprechen, die einen regelrecht überfallen, tut in erster Linie der Seele gut. Aber es erleichtert auch die Verarbeitung des Beziehungsaus. Einer Studie zufolge (Ergebnisse zu lesen im Fachjournal „Social Psychological and Personality Science“) geht es den Probanden, die über ihren Kummer geredet haben, deutlich besser innerhalb des angegebenen Zeitrahmens von neun Wochen. Diese wurden weniger von Gefühlsausbrüchen überrascht und fühlten sich weniger einsam. Wer über seinen Kummer spricht und sich seiner Gefühle bewusst ist, der verkürzt die Dauer seines Liebeskummers. Im Schnitt benötigen Frauen für die Bewältigung von Liebeskummer weniger Zeit als Männer. Aber warum ist das so?

In einigen Kulturen wird ein Mann als schwach angesehen, wenn er Gefühle zeigt. Emotionales Verhalten wird überwiegend nur bei Frauen toleriert. Schon in der Kindheit kann man immer wieder Sätze hören, wie: Bist du Mann oder Maus? Ein Indianer kennt keinen Schmerz. (Lassen wir mal die ethnische Komponente ausnahmsweise außer acht.) Da ist es kaum verwunderlich, wenn einige Männer ihre Gefühle lieber verbergen. Doch dieses Verhalten wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden und die Gesundheit aus. Denn die Gefühle verschwinden nicht automatisch.

Das Unterdrücken von Gefühlen kostet den Körper eine Menge Energie. Und das hat negativen Einfluss auf Körper und Psyche und macht auf lange Sicht krank. Der Körper reagiert mit Stressreaktionen, wie: erhöhtem Blutdruck, Magenprobleme, Herzerkrankungen oder Diabetes. Die Belastung der Psyche ist genauso fatal, denn das Verschließen der eigenen Gefühlswelt kann zu Angstzuständen und Depressionen führen.

Der Luftballon unter Wasser

Das Unterdrücken von Gefühlen ist vergleichbar mit einem mit Luft gefüllten Luftballon, den man unter Wasser halten will. Das ist sicherlich für einige Minuten, vielleicht auch Stunden, zu schaffen, aber irgendwann wird diese Aufgabe nicht mehr zu bewältigen sein. Aber wenn wir die Luft (in dem Fall die Gefühle) aus dem Ballon lassen, wird es leichter. So funktioniert das Prinzip vom „über Gefühle sprechen“.

Schweigen ist Silber und reden ist Gold

Eine Trennung verändert viele Aspekte des Lebens – die finanzielle Situation, das Selbstwertgefühl oder Beziehungen zu gemeinsamen Freunden. Das Reden darüber, unterstützt dabei das Erlebte zu sortieren und sich auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu konzentrieren. Das Selbstbild, die eigene Identität, gerät ins Wanken, wenn aus dem „Wir“ plötzlich ein „Ich“ wird. In einer langen Beziehung passiert es oft, dass sich die Persönlichkeitseigenschaften langsam angleichen. Diese einschleichende, verlorene Eigenständigkeit, kann ein unbewusster Anstoß für eine Trennung sein. Das kann nach einem Beziehungsende dazu führen, dass man sich nicht mehr vollständig fühlt. Darüber zu reden hilft diese Gefühle zu reflektieren und ermöglicht es den Betroffenen eine größere Distanz zur Trennung zu schaffen. Das Reden unterstützt dabei die eigene Wahrnehmung, insbesondere in Bezug auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse, die in einer Paarbeziehung oft zu kurz kommen können.

Mit wem reden?

Schau dich in deinem Umfeld um, gibt es dort eine Person, der du bedenkenlos deine Gefühle mitteilen kannst? Freunde, Verwandte oder sogar völlig Fremde, können dabei helfen, dem Gefühlschaos Klarheit zu verschaffen. Die beste Freundin, der beste Freund – wenn er/sie nicht gerade selbst ein Problem mit unterdrückten Gefühlen hat – Mütter und Tanten sind in der Regel auch gute Zuhörer und geben wertvolle Tipps, denn eins haben sie alle gemeinsam: Jeder von ihnen hatte wahrscheinlich schon einmal im Leben Liebeskummer. Wenn dir diese Menschen zu nah an der Situation sind, kann es auch hilfreich sein, sich einem entfernten Bekannten anzuvertrauen. Um Hilfe bitten ist nicht immer leicht, aber es gibt kaum jemanden, der dir diese Hilfe verwehren würde. Und wenn doch, überlege dir, ob dieser Mensch in deinem Universum überhaupt einen Platz haben sollte.

Überwindung kostet Mut

Jeder Mensch, der sich einem anderen offenbart, macht sich verletzbar. Darum kostet es uns viel Überwindung, anderen unsere Gefühle mitzuteilen. Wenn man sich aber endlich durchgerungen hat, sich zu öffnen, wird man von einem mächtigen Gefühl durchströmt: Erleichterung. Ein riesiges Gewicht fällt von der Brust, welches das Herz im Klammergriff hatte. Es ist natürlich nicht sofort alles wieder gut, aber der erste Schritt in die richtige Richtung ist getan. Was folgt sind: Erkenntnis, Akzeptanz, Trauer und schließlich Selbstfindung und Neuorientierung. (Phasen der Trennung) Der Blick in die Zukunft wird wieder klarer. Man fängt an, über die eigenen Bedürfnisse und Wünsche nachzudenken. Die Konzentration auf sich selbst ist ein wichtiger Prozess während des Liebeskummers. Wenn das geschafft ist, steht auch einer neuen Liebe nichts mehr im Weg.

Fazit

Liebeskummer ist furchtbar und tut verdammt weh, aber wer den Mut aufbringt, darüber zu reden, der kann die schwere Zeit um einiges verkürzen.

Quellen

Studienergebnisse: https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1948550614563085?journalCode=sppa

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